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Praxis Schule: Das Logbuch

In unserem Beitrag über das Vision-Board haben wir diskutiert, dass uns die Visualisierung unserer Ziele dabei hilft, diese mit höherer Wahrscheinlichkeit zu erreichen bzw. ihnen so nah wie nur möglich zu kommen. Nicht nur uns Erwachsenen hilft es, uns unsere Ziele immer wieder vor Augen zu führen, sondern auch Kindern. Wir vom Growing-Happiness-Team sind daher nicht nur daran interessiert, dass unsere Leser*innen ihr Wohlbefinden steigern, sondern auch deren Nachwuchs und Schutzbefohlene. Dabei möchte ich heute eine Methode vorstellen, die ich an meiner Schule anwende und die leicht in das Privatleben kopiert werden kann.

Unsere Schüler*innen (Klasse 5-10) nutzen in ihrem Schulalltag das sogenannte Logbuch, ein Lern- und Informationsheft für jedes einzelne Kind. In unserem Logbuch notieren die Schüler*innen jeden Montag ihre selbst gesetzten Ziele für die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch, die sie in der kommenden Woche erreichen möchten. Wir leiten sie schon ab Klasse 5 dazu an, sich systematisch mit ihrem eigenen Lernprozess zu beschäftigen und sich selbst zu steuern. Sie erleben, dass sie in manchen Wochen ihre Ziele erreichen und in manchen nicht. Dadurch lernen sie ihre eigene Lernfähigkeit und ihr Lerntempo kennen und können jede Woche ihre Ziele neu justieren.

Beispielseite aus unserem Logbuch - Anmerkung: GNW = Gelingensnachweis (Test)

Uns geht es nicht darum, zu reglementieren, falls Ziele nicht erreicht wurden. Das wäre in höchstem Maße kontraproduktiv. Unser Ziel ist es, dass die Schüler*innen ihr Lernen reflektieren und ihre Lernleistung stetig verbessern. Durch die Formulierung und das Erreichen ihrer Ziele erleben sie eine hohe Selbstwirksamkeit, die wiederum ihr Wohlbefinden steigert.

Innerhalb der Woche haben sie ausgewählte Stunden, in denen sie an ihren Lernzielen arbeiten können und in denen Lehrkräfte zur Beratung und Betreuung zur Verfügung stehen. Sie nehmen dadurch also die Verantwortung über ihr Lernen in die eigenen Hände und werden selbstständiger.

Das Logbuch ist gleichzeitig ein sehr gutes Kommunikationsmedium zwischen Schule und Elternhaus. Jeden Freitag wird nämlich in der Schule überprüft, ob die Schüler*innen ihre Lernziele erreicht haben, was sie gelernt haben und woran sie noch üben müssen. Ist das erfolgt, trägt die Lehrkraft anschließend ein, wie das Sozialverhalten des Kindes in dieser Woche in der Schule war. Somit erhalten die Eltern jede Woche eine Übersicht über das in der Schule Gelernte und das Verhalten des Kindes in der Schule. Das schafft die größtmögliche Transparenz, um gemeinsam an der Erziehung zu arbeiten und Schwierigkeiten schnell zu identifizieren sowie an ihnen zu arbeiten.

Beispielseite aus unserem Logbuch - Rückmeldung an die Eltern

Durch das ritualisierte Vorgehen erhalten die Schüler*innen zudem eine Struktur in ihrem Alltag. Im Logbuch sind nämlich ebenfalls ihr Stundenplan, ein Jahresplan und die wichtigsten Schulregeln enthalten. Es gibt ihnen Halt und Orientierung bei Ungewissheit.

Wie anfangs bereits erwähnt, kann das Prinzip auch gerne in den Privatbereich übertragen werden. Es hilft Kindern ungemein, auch ihren häuslichen Alltag zu strukturieren und sich Ziele zu setzen, an denen sie selbstbestimmt und gerne arbeiten. Das kann wie eine Art Tagebuch geführt werden oder auch wie ein Mini-Vision-Board. So steigt sowohl das Kompetenzerleben als auch das Glück unserer kleinen Lieblinge. 

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