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smart trust

Was spricht eigentlich dagegen, dass alle Menschen in Deutschland ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten? Jeder könnte seine Grundbedürfnisse befriedigen, sich ein wenig Luxus erlauben und seine 8 Stunden Arbeit pro Tag nach eigenem Belieben füllen. Vielleicht üben manche ihren Beruf weiter aus, vielleicht suchen sich manche eine neue Arbeit und vielleicht hören manche ganz auf zu arbeiten. Der letzte Punkt hat deine Sorge aktiviert? Dann bist du nicht allein. Eines der Hauptargumente gegen das bedingungslose Grundeinkommen ist die Befürchtung, die Menschen würden mit ihrer Arbeit aufhören und unsere Wirtschaft zugrunde richten. Andersrum gefragt: Würdest du denn komplett aufhören zu arbeiten? Ich behaupte jetzt einfach, dass die meisten diese Frage mit nein beantworten würden. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, mit meiner Arbeit aufzuhören. Ich habe mir sogar zusätzlich zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit noch eine ehrenamtliche gesucht und betreibe außerdem diesen Blog hobbymäßig. Wir haben im letzten Beitrag schon diskutiert, dass unser Höhlenmenschengehirn dafür verantwortlich ist, dass wir anderen Menschen generell eher misstrauen als vertrauen.

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Wir halten andere schnell für weniger vertrauenswürdig, als sie eigentlich sind. Das liegt mitunter auch daran, dass wir schlechte Erlebnisse stärker in Erinnerung behalten als gute. Doch weil wir nun wissen, dass das Vertrauen in andere uns und andere entspannter und glücklicher macht, sollten wir Strategien finden, wie wir unser proaktives Vertrauen stärken können.

  1. Wir sollten uns bewusst machen, dass Menschen vertrauenswürdiger sind als wir sie halten. Um beim Beispiel des bedingungslosen Grundeinkommens zu bleiben: Während 90% der Befragten angeben, bei Erhalt des Grundeinkommens weiterzuarbeiten, liegt der Anteil der Menschen, der glaubt, andere würden dadurch aufhören zu arbeiten, bei 80%. Schon allein dieser Vergleich sollte einem massiv zu denken geben, ob das eigene Vertrauen in andere womöglich etwas verzerrt ist.
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  1. Wir sollten uns alle Vorteile vor Augen führen, die durch ein proaktives Vertrauen in andere auftreten. Das heißt, dass wir nicht nur die konkrete Situation und ihre Auswirkungen betrachten sollten, sondern auch daran denken, dass wir ein Investment in eine vertrauensvolle Beziehung tätigen. Wie an der Börse sollten wir feinfühlig dafür sein, wann wir gewinnbringend investieren und wann wir ein vermeidbares Risiko eingehen.

  2. Gegen die Veranlagung, uns negative Erlebnisse besonders zu merken, sollten wir beginnen, den Schmerz aus diesen Erlebnissen zu minimieren, in dem wir das Glücksgefühl aus positiven Erlebnissen verstärken. Erinnern wir uns häufiger an vertrauensvolle Momente mit unseren Liebsten oder auch völlig Fremden. Wieso sollten diese positiven Erlebnisse weniger wichtig sein als negative Momente? Halten wir sie zum Beispiel schriftlich fest, dann vergessen wir sie auch nicht.

     Ein Weg, mit schmerzhaften Erinnerungen umzugehen, kann darin bestehen, Vergebung zu üben. Das mag       sich schwierig anhören, doch gelingt uns besser, wenn wir uns in andere Menschen und ihr Verhalten                 hineinversetzen. Rachegedanken nach einem Vertrauensmissbrauch aktivieren eine Kette an Negativität,         die schnell eskalieren kann. Sie schaden nachweislich unserer psychischen und physischen Gesundheit.           Letztendlich hilft Vergebung vor allem uns selbst, weil wir unseren inneren Frieden wahren.

„Holding on to a grudge is like allowing someone else to stay in your head rent free” – Amerikanisches Sprichwort

  1. Wir können versuchen, vertrauenswürdiges Verhalten aus anderen herauszulocken. Auch wenn es sich plakativ anhört: Je mehr Menschen einen mögen, desto weniger häufig würden sie einen betrügen. Das schaffen wir am besten, indem wir Gemeinsamkeiten untereinander betonen, Wärme und Freundlichkeit (statt Kompetenz und Professionalität) entgegenbringen und uns entschuldigen, wenn wir mal Mist gebaut haben, was ja auch mal vorkommen kann, da keiner von uns perfekt ist 🙂 

Quellen: Raghunathan, R. (2016) – If You’re So Smart, Why Aren’t You Happy? How to turn career success into life success, Vermilion, S. 165-176.

http://www.grundeinkommen.ch/wenn-jeder-ein-bedingungsloses-grundeinkommen-hat-wurde-dann-noch-jemand-arbeiten/ (Abruf: 15.06.2021, 14:38 Uhr)

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